Abschied von Wolfgang Knoll

16. August 2019

Verehrte Angehörige, verehrte Trauergemeinde,

die liberale Kommunalpolitik nimmt Abschied von unserem Ehrenvorsitzenden Wolfgang Knoll.

Namens des Bundesverbandes der liberalen Kommunalpolitiker und ihrer Vorsitzenden Judith Pirscher, namens des Landesverbandes Hessen der liberalen Kommunalpolitiker und des Landesvorsitzenden Michael Schüßler und auch ganz persönlich darf ich allen Angehörigen unsers tiefes Mitgefühl übermitteln.

Wolfgang Knoll war ein leidenschaftlicher Kommunalpolitiker, der sich als überzeugter Liberaler auf allen Ebenen seines politischen Wirkens für die Idee der Kommunalen Selbstverwaltung mit ganzen Herzen und kämpferischer Rhetorik eingesetzt hat.

Geprägt durch seine persönlichen Erfahrungen im Nachkriegsdeutschland war Wolfgang Knoll der festen Meinung, dass unsere Demokratie nur dann zukunftsfähig ist, wenn starke Kommunen ihren Bürgerinnen und Bürgern Teilhabe und Gestaltungsmöglichkeiten sichern.

Ich darf Wolfgang Knoll aus einem Vortrag, den er 1987 gehalten hat, wie folgt zitieren:
„Eine leistungsfähige Kommunale Selbstverwaltung ergänzt das Gewaltenteilungsprinzip, sie wirkt übermäßiger Machtkonzentration entgegen und gewährleistet ein in Stufen gegliedertes demokratisches Gemeinwesen. Eine eigenständige, dezentrale Selbstverwaltung ist die beste Abwehr gegen einen bürokratischen Zentralismus, in dem die persönliche Verantwortung weitgehend fehlt.“

Ausgehend von dieser starken Grundüberzeugung war Wolfgang Knoll früh der Auffassung, dass liberale Kommunalpolitik sich auch überregional organisieren muss, um die politischen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Kommunale Selbstverwaltung sicherzustellen.
So gründete er 1974 zusammen mit anderen liberalen Kommunalpolitikern die Arbeitsgemeinschaft hessischer Kommunalpolitiker, die später in die Vereinigung liberaler Kommunalpolitiker umgewandelt wurde.

Von 1977 bis 1989 war er Landesvorsitzender dieser Vereinigung, gleichzeitig ergriff er zusammen mit anderen 1982 die Initiative zur Gründung einer Bundesvereinigung für liberale Kommunalpolitik, deren Vorsitz er von 1982 bis 1995 innehatte.

Im Bundesfachausschuss für Kommunalpolitik der FDP hat der Verstorbene in der Zeit von 1979 bis 1997 seinen Einfluss geltend gemacht, um in der FDP-Programmatik den Stellenwert der Kommunalpolitik zu sichern.

Mit Fug und Recht ist ihm daher nicht nur der Ehrenvorsitz der VLK Hessen, sondern auch der Ehrenvorsitz der Bundesvereinigung liberaler Kommunalpolitiker übertragen worden.

Mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands sah Wolfgang Knoll die große Chance, eine demokratische Kommunale Selbstverwaltung in den neuen Bundesländern aufzubauen.

Ab 1990 hat er sich daher mit großem persönlichem Einsatz für den Aufbau von VLK- Landesvereinigungen in diesen Bundesländern eingesetzt. Als überzeugtem Europäer war ihm aber auch die Stärkung des Subsidiaritätsprinzips innerhalb der EU wichtig.

Lieber Wolfgang,

wir werden Deine engagierten, aufrüttelnden Reden, Dein klares Bekenntnis und Deine mahnenden Worte zur Verteidigung und Stärkung der Kommunalen Selbstverwaltung vermissen.
Mehr als 25 Jahre haben wir gemeinsam in den Gremien der VLK und der FDP liberale Politik gestalten dürfen.

Für Deine Ratschläge, für Deine auf eine besondere Lebenserfahrung gegründeten politischen Analysen und Deine Standhaftigkeit auch in schwierigen politischen Zeiten bin ich Dir von Herzen dankbar.

Die liberalen Kommunalpolitiker in Hessen und Deutschland verlieren mit Dir eine der prägendsten Persönlichkeiten, wir werden Dich, Dein unermüdliches Wirken und Deinen Mut auch in Zeiten schwerer Erkrankung in bester Erinnerung behalten.
Als Vorbild bleibst Du uns unvergessen.

Wolfram Dette
Ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter